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15. Juli 2021

Allianz beobachtet mehr Versicherungsbetrug in Corona-Zeiten

Die Allianz berichtet, dass die Versuche zu Versicherungsbetrug während der Corona-Pandemie um zehn Prozent gestiegen seien. Neben fingierten Autounfällen sorgten im Gewerbebereich auch Betrugsversuche von Händlerinnen und Händler für Aufsehen. Betrüger und Betrugsbekämpfung nutzen zunehmend digitale Helfer.

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während der Corona-Pandemie stieg die Zahl der Fälle von Versicherungsbetrug sowohl im privaten als auch gewerblichen Bereich. Das berichtet die Allianz am Mittwoch in einem Pressetext:
„In Krisenzeiten nehmen Betrugsversuche deutlich zu. Seit Beginn der Pandemie sehen wir einen Anstieg von rund zehn Prozent", erklärt Jochen Haug, Schaden-Vorstand der Allianz Versicherungs-AG.

Dabei wirkte sich die Pandemie auch auf die Art des Versicherungsbetrugs aus. Weniger dubiose Raub- und Einbruchdiebstähle seien gemeldet wurden, berichtet der Versicherer: kein Wunder, saßen doch viele Deutsche zuhause im Homeoffice. Dem entgegen beobachtet die Allianz bei gewerblichen Leitungswasserschäden eine Zunahme von rund 25 Prozent. Gemeldet wurde zum Beispiel zerstörte Saisonware, die aufgrund der Corona-Beschränkungen nicht verkauft werden konnte. Hier spiegelt sich die Not vieler Einzelhändlerinnen und -händler. Ebenfalls gestiegen seien die Betrugsversuche in der Kfz-Versicherung, die um zehn Prozent zugelegt hätten, sowie in der Allgemeinen Haftpflicht um 20 Prozent.

Mehr als 50 Prozent der Betrugsversuche in Kfz-Versicherung

Mehr als 50 Prozent der aufgedeckten Betrugsversuche betrafen den Kfz-Bereich, berichten die Münchener weiter: Hier sind abgesprochene und provozierte Verkehrsunfälle ein Problem. Bereits der GDV hatte gewarnt, dass mittlerweile circa jeder zehnte Unfall von sogenannten Autobumsern provoziert werde. Sie machen es sich zunutze, dass jemand, der einen Unfall verursacht, die Gegenseite mithilfe seiner Haftpflicht entschädigen muss. Zum Beispiel, indem sie einen Fahrer aus der Parklücke winken: nur um dann Gas zu geben und so einen Crash zu provozieren. Diese Vorfälle lassen sich oft schwer nachweisen, zumal professionelle Banden am Werk sind. Weitere 30 Prozent der aufgedeckten Betrugsversuche entfallen auf die Sachversicherung, 20 Prozent auf die Haftpflicht.

Doch bei der Betrugsabwehr spielt Digitaltechnik zunehmend eine Rolle: Sie erleichtert es, Unregelmäßigkeiten nachzuweisen. „Durch das Auslesen und die Auswertung elektronischer Fahrzeugdaten wie zum Beispiel den Lenkwinkel oder die Geschwindigkeit können absichtlich herbeigeführte Unfälle erkannt werden", erklärt Christoph Lauterwasser, Geschäftsführer des Allianz Zentrum für Technik (AZT), dem Prüflabor des Versicherers. Neben den Daten aus der Fahrzeugsteuerung könnten auch Bild- und Videodateien genutzt werden, um einen Unfall zu rekonstruieren.

Andererseits nutzen jedoch auch die Betrüger verstärkt digitale Möglichkeiten der Schadenmanipulation. Zum Beispiel, wenn Schäden per App gemeldet werden können: und die Bildbearbeitung erlaubt, die Fotos entsprechend zu manipulieren. Oder per Identitätsmissbrauch, der es erlaubt, Schäden unter fremden Namen zu melden „Das Betrugsgeschehen wird sich daher immer mehr in den virtuellen Raum verlagern. Durch vermehrte Nutzung digitaler Mittel gehen wir davon aus, dass bis 2030 jeder fünfte Versicherungsbetrug virtuell stattfinden wird", erläutert Jochen Haug.

Die Allianz hat bereits vor zwei Jahren die Intelligence Einheit gegründet, die mit Hilfe digitaler Tools und Technik Versicherungsbetrug bekämpfen soll - und auch komplexe Sachverhalte analysieren. „Zusammen mit den mehr als hundert Betrugsabwehrspezialisten in Deutschland, dem wissenschaftlichen Ansatz des Allianz Zentrum für Technik und dem Einsatz von spezieller Software und Tools sind wir gut aufgestellt", so Haug. „In 2020 konnten wir unrechtmäßige Auszahlungen im dreistelligen Millionenbereich verhindern." Dabei bilde man sich mit kriminologisch geschulten Experten länderübergreifend weiter.

Von
Mirko Wenig

Foto: Volker Kraus / pixabay.com